Kind und Hund - ein Erfahrungsbericht
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Geschrieben von: Daniela Pankratz   
Sontag, 27. Februar 2011 13:53

Mich beschäftigt immer wieder, wie man Kinder und Hunde unter einen Hut und in ein Rudel bekommt - nicht zuletzt, da ich selbst einen Sohn und eben Hunde habe.

Fakt ist - es gibt nicht "das" richtige Prinzip. Es gibt Regeln, die man einhalten sollte. Man muss sich dem Charakter des Hundes anpassen. Deswegen will ich ein bisschen berichten, wie es bei uns gewesen ist, was für uns genau richtig ist.

2006 bekam ich meinen Rüden - einen Hund, der für Kinder nichts übrig hat. Der gern mal erzieht, wenn man ihm die Möglichkeit dazu gibt.

Schließlich tun Kinder - besonders Kleinkinder - gern mal Dinge, die der Hund 1. nicht versteht und 2. unter Hunden so niemals dulden würde.

Die Nachricht, dass ich schwanger bin kam erst nach Einzug des Hundes - und so war ich gezwungen mich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen.

Kinder sind Tabu für Hunde. Sie gehören mit zum Rudel, sie nehmen am Familienleben teil - aber sie dürfen nicht zur Rangordnung gehören.

Wer zur Rangordnung gehört, der hat alle Vorzüge - den Schutz des Rudels, das Spiel, die Fürsorge - aber er hat auch alle Nachteile - die Strafen. Tut das Kind etwas, was dem Hund nicht passt, dann wird der Hund zwangsläufig das Kind zurechtweisen. Das hat absolut nichts mit Aggression zu tun, das ist normales Hundeverhalten. Und genau deswegen ist es wichtig, dass wir unsere Kinder schützen.

Ich rede nicht davon Hunde und Kinder getrennt voneinander aufwachsen zu lassen. Sondern davon klare Regeln einzuführen.

Der Hund muss lernen, dass man dem Kind eben das Essen nicht aus der Hand nimmt. Dass man Kinder nicht umrennt, dass Kinder sich frei bewegen dürfen, auch wenn sie noch so sehr schreien und Krach machen.

Genauso muss das Kind aber lernen, dass der Hund einen Ruheplatz braucht. Und wird dieser aufgesucht, dann hat das Kind dort nicht hinzugehen.

Es klingt so einfach - mit verständigen Kindern klappt das auch super, wenn das Kind zuerst da war und der Hund später kam.

Aber wenn es so läuft wie hier, erst die Hunde da, dann kam das Kind, dann kann es schon schwierig werden, wenn das Kind mobil wird.

Da wird überall hingekrabbelt - auch auf die Hundedecken. Es gibt doch keinen besseren Platz sich zu verstecken als im Körbchen. Oder ein kleines Nickerchen zu machen. Dort ist es schließlich warm und weich.

Kinder müssen aber lernen, dass sie das nicht dürfen. Ich zumindest lasse das hier nicht zu. Ich mag nicht, dass die Hunde in meinem Bett liegen, also lege ich mich nicht in ihres - und genausowenig hat mein Sohn etwas da verloren. Auf ihren Decken sind die Hunde immer sicher.

Auch Kontaktaufnahmen habe ich die erste Zeit sehr sehr eingeschränkt. Geschaut, dass die Hunde lernen, dass das Kind eben noch nicht sicher auf den Beinen ist, dass es kein Spielzeug ist.

Wie verhindert man jetzt aber eine Rangordnung zwischen beiden?

Hier klappte es, indem das Kind die Hunde nicht füttern darf und auch nicht mit ihnen spielt ohne dass ich dabei bin.

Wirft mein Sohn einen Ball werde ich angesehen, ob sie hinterher rennen dürfen - und sie bringen den Ball zu mir zurück, ich gebe ihn meinem Sohn. Die Hunde selbst bringen den Ball nicht zu meinem Sohn.

Bei Futter - klar versucht mein Sohn die Hunde mal mit einem Keks anzulocken. Er hat schnell verstanden, dass man mit etwas Futter viel leichter an sie rankommt. Sie gehen zwar hin und schnuppern, sie machen auch Sitz, ohne dass er sie auffordert, aber sie nehmen es nicht. Außer er legt es auf den Boden und geht einen Schritt zur Seite - dann ist die Leckerei freigegeben.

ich finde das wichtig. Denn viel zu oft schnappen Hunde in ihrer Gier einfach nach der Leckerei - und das Geschrei ist groß, wenn die Zähne die kleine Kinderhand streifen.

Es ist in den meisten Fällen doch nichtmal Absicht der Hunde, es passiert einfach so.

Bei einem kleinen Hund mag das noch ohne Folgen bleiben - wenn aber ein massiger Hund wie eine Dogge so etwas macht, dann wäre das Geschrei an allen Ecken wieder groß. Der große böse Hund.

Man sieht einfach nicht, dass man das als Rudeloberhaupt doch selbst provoziert.

Kinder haben dem Hund keine Befehle zu geben. Natürlich versuchen sie es - aber wer Befehle erteilt, der stellt sich selbst einen Rang höher - und damit voll in die Rangordnung. Die Hunde müssen aber wissen, dass sie da nicht drauf zu hören haben. Hier klappt es, weil ich die Regeln einhalte. Kind und Hund wachsen nebeneinander auf - aber nicht zusammen in einer Rangordnung.

Und wie integriert man Kinder nun in die Rangordnung, wenn sie alt genug sind? Indem man ihnen langsam mehr Aufgaben zuteil werden lässt.

Hier mal dem Hund vor seinen Augen das Futter in den Napf tun und hinstellen, hier mal ein kleines Kommando und die Durchführung belohnen, da mal an- oder ableinen, hier mal den Ball werfen und den Hund zurückrufen... Langsam vorgehen, ein Schritt nach dem anderen.

Und erst, wenn das Kind alt genug ist, um wirklich verständig zu sein, wenn es wirklich die Hundesprache versteht und selbst anwenden kann.

Mein 2jähriger ist genial im Umgang mit Hunden - aber längst nicht so weit, dass ich ihn integrieren würde. Bevor er nicht 10 Jahre alt ist wird das nichts. Egal wie es sich weiterentwickelt.

Ich persönlich bin der Meinung, dass Kinder erst ab 10/12 Jahren wirklich verstehen wie Hunde denken, erst dann können sie wirklich darauf eingehen.

Guter Umgang will von Anfang an gelernt sein. Nicht immer einfach, vor allem nicht immer nervenschonend.

Aber es funktioniert.

ich sage nicht, dass mein Weg DER richtige ist - aber für unser Rudel ist es der beste Weg, den ich wählen konnte.

Kontakt findet kontrolliert statt - aber nur da, wo ich es erlaube. Für beide Seiten.

 

Daniela Pankratz,  Köln, Frühjahr 2009